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Open Source: Kommentare zum Artikel in der WOZ, Ausgabe Nr. 2, 14.1.2010


By admin - Posted on 14 January 2010

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In der WOZ Wochenzeitung ist ein ganzseitiger Artikel zum Hintergrund von Ubuntu und Open Source erschienen. Hier ein paar Kommentare und Ergänzungen dazu, es geht vor allem um Aktivitäten in der Schweiz.

Open Source Szene Schweiz


Es sind erstaunlich viele Menschen, welche sich in verschiedenen Gruppierungen zusammenfinden und sich mit den unterschiedlichen Themen befassen, z.B.:

  • Linux Distributionen oder bestimmte Softwarepakete
  • Persönlichkeits- und Datenschutz, Lizenz- und Patentrecht, Standardisierung
  • digitale Nachhaltigkeit in der Verwaltung oder an Schulen
  • ökologischer UND ökonomischer Umgang mit Ressourcen
  • freie Medien: Texte, Musik, Grafik
  • Support oder Ausbildung für Endbenutzer
  • lokale Aktivitäten oder internationale Vernetzung
  • etc

Allen gemeinsam ist die Offenheit und die Bereitschaft, Interessierte und engagierte Menschen in ihrem Zirkel zu begrüssen. Am besten also, man informiert sich über die Webseite und nimmt mal unvoreingenommen Kontakt auf oder geht vorbei.

Es ist nun nicht so, dass alle Szeneteilnehmer durchgehend derselben Meinung sind. Es treffen sich gut ausgebildete Menschen, scharfe Denker und Hinterfrager mit unterschiedlichsten Gesinnungen. In den Runden sitzen Eiferer und Praktiker - und natürlich viele Leute mit Freude an der Technik. Da wird manchmal heftigst diskutiert - gerade weil die Leute viel Überzeugung zeigen und Herzblut einsetzen. Das ist wichtig und gehört dazu.

Veranstaltungen


Dem interessierten Benutzer (da sind Anwender genauso gemeint wie Entscheidungsträger oder Systemadministratoren) bietet sich eine beeindruckendes Angebot von Veranstaltungen. Eines vorweg: In Szene Events steckt oft gemeinnützige oder gerade kostendeckende Arbeit. Man darf sich durch das Fehlen von Glitzer und Glimmer der Veranstaltungen nicht täuschen lassen. Es geht um die Sache und Referenten sind oft Zeitgenossen, die echt was zu sagen haben und nicht mit einem Rahmenangebot vom Thema ablenken wollen. Gut möglich, dass im Sääli vom Rössli mehr Gehalt und persönlicher Nutzen rausschaut, als an manchen grossen und teuren Veranstaltungen in einem Kongresscenter. Beispiele von solchen Veranstaltungen:

  • Installzone, Installationsparty - Man nimmt den eigenen Rechner mit und findet Infrastruktur und Leute, welche beim Laden und Konfigurieren von freier Software behilflich sind. Gute Veranstaltungsorte sind Hochschulen oder auch die OpenExpo, Installparties gibt es aber auch abseits auf dem Land und wenn jemand selbst was auf die Beine stellen möchte, finden sich sicher ein/zwei Gurus, welche sich für die Beantwortung von heiklen Fragen einfinden ..

  • Stammtische, User Group Treffen - Hier ist der Meinungs- und Informationsaustausch im Vordergrund. Auch hier kommt heute fast jeder mit dem eigenen Laptop oder Notebook, das gibt Gelegenheit, einander über die Schulter zu gucken oder einen wichtigen Tipp zu kriegen. Stammtische und User Group Treffen finden wir in Bern, Zürich, Ostschweiz, Romandie.

  • Releaseparty - Man feiert die neuste Version, z.B. von Ubuntu. Ähnlich wie Stammtische, manchmal aber auch gleich inklusive Installzone und inklusive Referaten. Ausserdem trifft man da die Gesichter der Leute, die man bisher nur als Nicknamen kennt.

  • Referate an Hochschulen, Open Business Lunch, LinuxDays, OpenTuesday, OpenExpo - teils grössere Veranstaltungen (dank Sponsoring und Firmenbeteiligung). Hier treffen sich Firmen und Szene.

  • Barcamps - eine besondere Form des Zusammentreffens, ein Mitmach-Event, sehr intensiv. Man beachte vor dem Besuch eines Barcamps die Regeln - hin gehe nur, wer auch bereit ist, ein zum Kontext passendes Referat zu bestreiten.

Viele dieser Events funktionieren dank freiwilliger Unterstützung von Veranstaltern, Förderern und Nutzern. Es sind diejenigen, welche als Benutzer oder Firmenverantwortliche von der Schaffenskraft und den Idealen der Open Source Welt profitieren und nach eigenem Ermessen einen Zustupf oder Beitrag leisten. So wird aus der freiwilligen, manchmals als Gratisarbeit betitelten Unterstützung eine Investition, die sich später bezahlt macht.

Markt Schweiz


Hier gibt es keine leuchtende Sterne von erfolgreichen Vertriebsorganisationen sondern eine respektable Auswahl von soliden, lokalen Dienstleistern und Implementierern. Auch die Grossen mischen mit und haben oft - unbemerkt von Kunden oder Mitarbeitern - im grossen Stil Open Source Lösungen im Einsatz oder im Angebot. Hier ein paar Kennwerte:

  • über 350 Firmen in der Schweiz, welche Dienstleistungen für freie Software anbieten. Themen: Webhosting, Engineering, Beratung, Architektur, Support, Schulung, Anwaltskanzleien

  • über 3000 Berufstätige, welche mit Open Source Dienstleistungen ihr Einkommen bestreiten. Dazu gehören auch die meisten Webhoster und eine grosse Schar von Spezialisten bei Banken, Versicherungen, Telekommunikationsfirmen

  • gesammelte Umsatzzahlen sind nicht verfügbar - es lässt sich aber ein Volumen von über 300 Millionen Schweizerfranken pro Jahr abschätzen. Ginge es um eine einzelne Firma, wäre ihr ein Platz unter den Top 20 der stärksten IT Companies der Schweiz sicher.

  • Die Software ist bereits stark verbreitet - Schätzungen gehen davon aus, dass Open Source Software bei 80% der Schweizer Firmen im Einsatz ist. Bewusst oder unbewusst. Beratung für den richtigen Umgang (Open Source Governance) wird immer wichtiger

  • Dank Internet, Verzeichnissen, Verbänden und Spezialisten gelingt es, sich in dieser erstaunlich vielfältigen Welt zurechtzufinden. Dies ist zugegeben umständlicher, als sich via Werbeprospekte zu informieren oder von Verkaufsspezialisten umgarnen zu lassen. Der Vorteil: man bezahlt als Verbraucher nur die Dienstleistung (oder Weiterentwicklung) und stottert nicht noch ein Löwenanteil ab für nicht benötigte Funktionalität, zurückbehaltenes Wissen, kreative Marketingmodelle oder Vertriebskosten.

  • Die Branche braucht Spezialisten - es werden landesweit Fachkräfte gesucht, Systemadministratoren, IT Architekten, Projektleiter, Berater für Governance, Führungskräfte, Produktespezialisten, Sales für Dienstleistungen. Kenntnisse über Geschäftsmodelle, Hintergrund, Kommunikationstools der Open Source Welt sollten vorhanden sein.

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